Gavin hat geschrieben:Wie gesagt, es gibt ein offizielles EU wo Lucas immer seine Hand drauf hatte und es gibt solche Sachen wie die "alternativen" Geschichten, die aber nicht zum offiziellen und von Lucas abgenickten EU gehören.
Gerade die Comics sind zum größten Teil Non-Canon.
Wer die Bücher auch alle gelesen hat, wird das auch bestätigen. Man findet keine Lücke oder Ungereimtheiten im offiziellen EU weil's eben aufeinander aufbaut.
Genaugenommen gibt es aber immer noch verschiedene "Stufen" des Kanon. Lucas' eigene Werke, inklusive der Clone Wars-CGI-Serie, ist ihm natürlich am "wichtigsten". Alle Bücher und Comics und Spiele kommen darunter (und werden munter "überschrieben", wenn es Lucas in den Kram paßt). Und dann noch mal darunter Non-Kanon-Sachen wie Fanstories, und absichtlich widersprüchliche Parallelwelten wie "Infinities".
Die Comics sind da genauso "real" wie die Bücher, und sie nehmen auch aufeinander Bezug und/oder ergänzen einander.
Natürlich gibt es Ungereimtheiten, gerade bei den Frühwerken. Wenn Han einen "Jabba" rettet, der eigentlich Mosep Binneed ist... wenn die Evakuierung von Yavin und die Entdeckung von Hoth anders erzählt wird... wenn der "Kopfgeldjäger auf Ord Mantell" mal Dengar und mal Skorr ist... von Boba Fetts Backstory mal ganz zu schweigen. Und es gibt Geschichten, die zumindest von zweifelhafter Kontinuität sind, wie die "Yavin Vassilika".
Aber insgesamt haben sich schon die Autoren Mühe gegeben, das Universum einheitlich zu gestalten und aufeinander aufzubauen, mal mehr und mal weniger. Selbst die alten Marvel-Comics sind davon nicht ausgenommen: das "Rad" wurde in neueren Comics und Büchern wiederverwendet, Aargau findet Erwähnung, Fenn Shysa und Tobbi Dala sind fester Bestandteil der Mandalorianer (vor Clone Wars jedenfalls). Karen Traviss hat selbst das lächerliche Riesenskelett auf Mandalore aus den Marvel-Comics schlüssig in ihre Handlung eingebaut. Für den Star Wars-Fan, der die Serien seit langem verfolgt, sind solche Querverweise das Salz in der Suppe.
Daher nervt es ja auch so, wenn Lucasfilm für Folgeprojekte wie Clone Wars dieses etablierte Kontinuum durchbricht und negiert. In der Anfangszeit war das zwar etwas unglücklich, aber noch verzeihlich, da das Ausmaß des Universums so nicht abzusehen war. Heutzutage sollte es nicht mehr passieren und im Vorfeld abgefangen werden. Ist aber nicht... Lucas geht einfach mit dem Bulldozer über ganze Buchserien des EU hinweg, siehe die Mandalorianer (und was dabei herausgekommen ist, ist ungleich schlechter und weniger vielschichtig und hätte auch völlig anders und konform erzählt werden können!)
Das EU hat den Fans 30 Jahre lang (mit nur einer Pause) über eine Lücke nach der anderen hinweggeholfen, von den ersten Marvels bis hin zu Jedi Dawn. Es mag nicht jeder alles lesen; es mag sogar sein, daß die Mehrheit der Star Wars-Fans nur rudimentäre Kenntnisse des EU haben, oder nur selektierte Werke lesen, oder es komplett ignorieren. Aber trotz aller Fehler und Tiefpunkte ist es ein Teil von Star Wars, und darauf herumzutrampeln zeugt von Respektlosigkeit gegenüber den Fans und den Autoren und Zeichnern - und der eigenen Kontinuitäts-Abteilung, die versucht, alles unter einen Hut zu bringen.
Wenn die neuen Filme tatsächlich massive Widersprüche zum EU erzeugen, stellt sich mir die Frage: Wozu überhaupt EU? Es gilt dann nicht, es ist nie passiert, es steht auf demselben Stand wie das Geschreibsel irgendeines Fans auf irgendeiner Webseite. Warum soll ich es lesen? Warum soll ich es kaufen? Bei nächster Gelegenheit wird es eh wieder umgestoßen.
Die Bücher und Comics des EU sind doch bei näherer Betrachtung keine selbständigen Werke, sie gewinnen ihre Bedeutung und ihren Platz erst im Reigen des Ganzen. Wird diese Harmonie unterbrochen, kann ich ebensogut auch andere Bücher lesen - für die ich kein Vorwissen brauche, die in sich abgeschlossen sind, und die ggf. sogar besser geschrieben sind. Sorry, aber das EU ist das EU,
weil es eine Einheit ist.