MasterFliessie hat geschrieben:Der ganze EU Kram intressiert mich bei dieser Frage gar nicht.
Ausschlaggebend sind - für mich - da nur die Filme.
Und wenn einige EU Autoren, es nicht schaffen eine spannende Geschichte zu schreiben ohne "vergessene oder versteckte" Jedi als Handlungselement, oder neudeutsch "plot-device" zu erfinden, dann kann das nicht die Aussage der Filme, als Hauptkanonquelle negieren.
Und wenn der Autor von ROTJ Yoda sagen läßt, daß nur noch Luke als Jedi existiert, dann gehe ich davon aus (das mag jeder anders sehen), daß dies als Filmfakt zu akzeptieren ist und für den Star Wars Kanon gilt - es sei denn dem würde auch bereits im Film widersprochen.
Das EU und die eventuellen anderen Jedi / Ex-Jedi sind aber hier nur eine Nebensächlichkeit, die die Hauptaussage meines Postings nicht tangieren. Laß es mich von einer anderen Perspektive beleuchten: Der Tenor zwischen OT und PT, was die Herkunft und Rolle der Jedi angeht, hat sich komplett geändert, und Bens / Yodas Aussagen bezüglich des "letzten Jedi" können im Licht der PT auch anders betrachtet werden.
Zur Zeit der PT wußten wir fast nichts über die Jedi. Unsere einzige Quelle sind ein paar kurze Sätze von Ben und Yoda. Auch Luke hat im Film kein Geheimes Buch der Jedi oder gar die Tempel-Archive zur Verfügung. Was wir wirklich wissen, ist nur:
1. Jedi sind eine Art Ritter, Kämpfer für das Gute und Beschützer der Republik
2. Lukes Vater war ein Jedi
3. Jedi benutzen die Macht.
Im Wesentlichen war's das. Niemand außer Jedi und Sith (über die wir aus der OT noch weniger wissen!) ist machtaffin. Dathomir oder irgendwelche Zeichentrick-Hexen auf Endor gab es noch nicht. Es gab auch keinen Tempel, und die Idee, daß Jedi sehr kleine Kinder / Babys zur Ausbildung "heranziehen", war auch noch nicht geboren. Zwar sagt Yoda, Luke sei "zu alt", aber zu dem Zeitpunkt ist er bereits erwachsen und hat erst wenige Jahre vorher überhaupt von den Jedi und der Macht erfahren. Erst in der PT bezeichnet Yoda auch den neunjährigen Anakin als zu alt für die Ausbildung, und wir sehen Kinder mit Übungslichtschwertern fuchteln.
Die OT zeigt die Jedi viel eher als Ritter im Sinne der Artussage, nicht so sehr als Shaolin-Mönche wie die PT. Mehr noch, die OT suggeriert (ohne es direkt zu behaupten), daß das Jeditum erblich sei. "Dein Vater war ein Jedi..." / "Ich bin ein Jedi, wie mein Vater vor mir!" wird im Film über/von Luke gesagt; von Bens und Yodas Eltern wissen wir nichts; es wird hingegen nirgendwo festgestellt, daß "attachment forbidden" sei und daß Jedi ohne Familie/Partner zu leben haben wie in der PT indirekt behauptet. Kurz: Zu OT-Zeiten konnte man noch annehmen, daß Jedi heiraten und Kinder haben, die dann wieder Jedi sind usw.
In dem Zusammenhang ist ein "letzter Jedi" einfach zu deuten. Alle Jedi sind tot, außer einem alten Ben, einem noch älteren Yoda, und Luke / Leia. Von den ersten beiden ist im Sinne einer Jedi-"Dynastie" nichts mehr zu erwarten. (Ben wirkt im Film auch deutlich älter, als die spätere Zeitlinie seit TPM rechnerisch ergibt.) Bloße Ausbildung genügt nicht. Ohne einen Jedi-Vater gibt es keine neuen Jedi mehr. Völlig egal, was im Rest der Galaxis geschieht, Luke ist einzigartig und unersetzlich.
Dieser Kontext macht die Aussagen über den "letzten Jedi" logisch und konsequent. Damals.
Dann kam die PT daher. Die Jedi wurden zu Mönchen, die Kinder in der Galaxis zusammenklauben. Die Macht wurde zu etwas, was von Midichlorianern "verliehen" wird - ohne Aussage, "wer" für diese Auswahl verantwortlich ist ("der Wille der Macht?" Wer steuert hier wen?). Eine Abstammungslinie gibt es nicht. Im Prinzip kann jeder von der Midichlorianer Gnaden machtaffin werden, selbst wenn er von Jedi noch nicht einmal gehört hat. Jedi zu sein wird zu einer Lehre, einer Tradition. Der Orden nimmt nur noch kleine Kinder auf, neun Jahre ist bereits zu alt.
Alles Aussagen oder Folgen der PT.
Und das macht den Satz vom "letzten Jedi" äußerst zweifelhaft. Selbst wenn Luke und Leia sterben sollten - können die Midichlorianer nicht weitere machtaffine Personen schaffen? Haben sie das nicht in den 20 Jahren seit Order 66 getan? Was macht einen Jedi nun gemäß PT aus; was macht Luke zu einem Jedi, dem letzten gar?
Die Antwort kann nur in der Tradition des Ordens liegen. Das einzige, was Yoda (und kein anderer) an Luke weitergeben kann, ist die Lehre vom Jeditum - die Philosophie des Tempels. Yoda lehrt eine bestimmte Haltung zur Macht, eine passive Wahrnehmung - was Luke daraus macht, ist eigentlich nicht Yodas Lehre. Luke verläßt Dagobah gegen Yodas und Bens ausdrücklichen Wunsch. Als er zurückkehrt, stirbt Yoda schon. Von den später enthüllten PT-Lehren kann Yoda nicht viel weitergegeben haben.
Die OT endet bei Endor. Aber selbst wenn man das EU und seine Behauptungen über Lukes Wiederaufbau des Ordens außer Acht läßt, kann man sich denken, daß Luke von den PT-Lehren nicht allzuviel mitbekommen hat, und daß seine Interpretation des Jeditums von Bens und Yodas abweichen wird. Luke ist von seinen eigenen Erfahrungen geprägt, nicht von der frühkindlichen Indoktrination eines Tempels oder von den langjährigen Unterweisungen eines Meisters. Wie lange war er denn eigentlich auf Dagobah, zwei Wochen?
Der Jedi-Orden der Zukunft kann unter Luke nicht mehr das sein, was die PT vorgibt. Die Transformation ist vollzogen. Und der sogenannte "letzte Jedi" ist im Sinne der PT gar keiner mehr.
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Wenn man gemein ist, kann man natürlich auch sagen, daß Lucas einfach ein mieser Worldbuilder ist und seine Interpretation der Jedi zwischendurch geändert hat. Dramaturgie fußt auf Limitationen; Konsistenz fußt auf einer durchdachten und soliden Welt. Lucas hat weder das eine noch das andere geschaffen, dem EU erlaubt, wild zu wuchern, und anschließend Aussagen des EU nach Gusto widersprochen oder es alternativ auch "offizialisiert". Star Wars leidet unter der Krankheit aller Multiautoren-Franchises ohne eine konsequente Führung. Die ganze XYZ-Kanon-Hierarchie ist nur ein schwacher Versuch, die Misere zu managen.
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Aber um mal auf "Rebels" zurückzukommen, ich würde es bevorzugen, wenn da gar keine Jedi vorkommen würden. Wir hatten in der PT schon reichlich Jedi, und in Clone Wars praktisch pausenlos Jedi-Action. Schon dieser Inquisitor mit Lichtschwert ist auf Anhieb schwer zu schlucken. Diener der Dunklen Seite kriechen offenbar aus allen Löchern. Immer wieder inflationär Darksider aus dem Hut zu zaubern mindert auch den erzählerischen Wert der Sith.