veers74 hat geschrieben:Wollte bei Hänsel & Gretel jemand wissen wie heiß der Ofen war?!?
Das interessiert nicht, weil es
(a) für die Handlung irrelevant ist (genau wie es normalerweise irrelevant ist, wie schnell ein Bus genau fährt, außer es handelt sich um einen Film, in dem der Bus explodiert, wenn er langsamer als 50mph fährt...)
(b) aus dem Alltagswissen her abzuleiten ist: er ist heiß genug, um Fleisch zu schmoren
very-crazy-auction hat geschrieben:
An kreischende Tie`s im Weltraum muss ich mich nicht gewöhnen..

AS erwarte ich einfach

Nicht nur in Star Wars, auch in Battlestar Galactica classik oder Star Trek.
Aber die Menschen die heute einen Film schauen haben meisst auch einen gewissen Grad an Bildung.
Da dürfen nicht zu große Logiklöscher klaffen in der Story. Die Art der Kritiker ist es eben alles zu hinterfragen ^^
I. A. wenn ich einen Film drehe und Handlung, Plot und Inhalt so einigermaßen stehen, und ich auch weiß, wie ich meinen Film präsentieren möchte, gibt es immer noch die Frage, wie ich die Welt "verkaufe", in der sich die Darsteller bewegen.
Wir leben alle in einer realen Welt; von dieser weichen alle Filme auf die eine oder andere Weise ab. Damit erzeugen Filme einen Bruch mit dem Realitätsempfinden, der durch die Filmemacher wieder überspielt werden muß. Die Irrealität der Filmwelt wird durch
suspension of disbelief und
Immersion aufgefangen, was mal besser und mal schlechter gelingen kann.
Die Vertrautheit des Publikums mit den Stilmitteln des Kino hilft den Filmemachern, mit irrealen Darstellungen "durchzukommen", wobei diese Stilmittel auf drei Ebenen agieren:
1. Der Film an sich - wir sind gewohnt, daß (normalerweise) Charaktere nicht aufs Klo rennen, daß komische Zufälle den Plot treiben, daß Wetterlagen die Stimmung der Charaktere spiegeln, usw.
2. Das Genre - in SF-Filmen gibt es Sound im All, Atmosphäre in Weltraumnacktschnecken, und überall die gleiche Gravitation, und die meisten Außerirdischen sind Humanoide mit Beulen auf der Stirn. In Superheldenfilmen gibt es eben Superkräfte, Superschurken, und man trägt die Unterhose außen. In Liebesfilmen gibt es die wahre Liebe, das unglückliche Mißverständnis (das am Ende aufgeklärt wird), und das Happy-End. Im Actionfilm explodieren Autos beim Aufprall, und Helden springen durch Glasscheiben im dritten Stock, ohne sich zu verletzen.
3. Der Film selbst (oder das Franchise) kann noch eine dritte Ebene aufbauen, indem der Filmemacher bestimmte - irreale - Elemente überzeugend genug einführt, d.h. entweder schlüssig über die Handlung, über Dialog/Erklärung, oder über kulturelle Referenzen. Lichtschwerter bei Star Wars sind zwar physikalisch schwer vorstellbar, aber im Filmkontext stellen sie eine futuristische Ableitung des klassischen Ritterschwertes dar, so daß sie auf Fantasy oder Rittersagen verweisen, was der Zuschauer dann wieder einordnen kann. Was eingeordnet werden kann, wird wieder glaubwürdig (auch wenn es nicht real ist), ebenso wie der normale Zuschauer glauben kann, daß die Schwerkraft auf allen Planeten gleich ist, weil es selbst kein Bezugssystem für etwas anderes kennt.
Was auf keiner dieser drei Ebenen implizit oder explizit realisiert wird, ist ein Loch in der Filmwelt (nicht nur ein Plothole, sondern auch eine Lücke im logischen Aufbau des Hintergrunds). Der Zuschauer sieht etwas, das seiner Erfahrung der Realität widerspricht, was aber weder situativ akzeptabel ist (es ist ja ein Film), noch durch die Konventionen des Genres überspielt wird (es ist nun mal ein Superheld), noch im Film hinreichend glaubwürdig gemacht wird (der Wissenschaftler hat die Effekte des Mutagens erläutert).
Diese Löcher können noch mal durch andere Stilmittel verdeckt werden (Schnitttechnik, Schauwerte,
suspense, Spiel mit der Erwartungshaltung der Zuschauer), bleiben aber trotzdem Löcher und damit Angriffspunkte für Kritik.
Darum machen "Verteidigungen" von der Art "es ist halt ein Science Fiction-Film, da sollte man nicht so auf die Charaktere schauen" überhaupt keinen Sinn. Ein SciFi-Film kann sich auf die Konventionen des Genres berufen, aber das überspielt nicht Fehler in der Charakterentwicklung, im Spannungsbogen, oder in der Handlungslogik.