veers74 hat geschrieben: ↑Mo 4. Jun 2018, 12:36
Trooper31 hat geschrieben: ↑Mo 4. Jun 2018, 12:28
.... Wenn Solo floppt, dann meint Disney, die alte Sachen müssen wir vergessen weil die Leute mögen die ST mehr. Dan werden wir nur Filme mit Kylo Ren und Co. kriegen.
Da mach Dir mal keinen Kopf.
Die Analytiker in diesem riesen Unternehmen wissen ganz genau, dass das eine Nachwehe von TLJ ist.
Das bedeutet noch lange nicht, dass Solo zwingend ein schlechter Film sein muß!
Und sie haben es ja auch schon selbst vorausgesehen.
Ich fürchte, das kann ich nicht so sehen.
Würde irgendwer bei Disney die Mechanismen und Notwendigkeiten hinter einer komplexen Mythologie verstehen, wäre das Franchise nicht da, wo es jetzt ist. (ja, das meine ich negativ, nur zur Sicherheit...)
- Zuallererst wird Clone Wars abgewürgt, obwohl ein Teil der neuen Folgen schon in Produktion ist und Handlungsstränge offen bleiben - aus politischen und merkantilistischen Gründen. Damit etabliert man schon mal, daß man keinen Respekt fürs Geschichtenerzählen hat.
- Dann wird das alte EU erwürgt. Gut, kann man so oder so sehen. Daß man hier keine klare Linie fährt, sondern nach dem Motto arbeitet, "es ist alles vielleicht wahr oder auch nicht, solange wir noch nicht beschlossen haben, daß es so nicht oder doch ist", erweckt dann auch nicht gerade Vertrauen in die Continuity.
- Der erste Film wird zu einem strukturellen Remake von ANH. Das ist vielleicht ein Geniestreich, wenn man die Einnahmen betrachtet, aber ein guter Film im Sinne des Franchise wird es nicht. Die Heldin kann alles und ist einfach super, der Bösewicht fällt irgendwie vom Himmel wie weiland Thanos in Avengers 1, es werden gedankenlos neue Machtfähigkeiten eingeführt wie im übelsten Superheldentrash, und die Superwaffe ist ein absurdes hingerotztes Stück Technobabble-Müll.
- Was noch viel schlimmer ist: Disney hätte die Möglichkeit gehabt, jeden Konflikt mit dem alten EU zu vermeiden und die Handlung einfach 800 Jahre oder so in die Zukunft zu versetzen. Nichts im Plot von TFA erfordert zwingend, daß man sich noch in der Zeit der alten Helden befindet. Alle Szenen mit Luke, Leia, Han etc. hätte man anders lösen können. Es hätte auch viel weniger Fragen nach Snoke gegeben - sind halt 800 Jahre, da kann so ein böser Bösewicht schon mal seiner böse Karriere frönen. Aber nein, Disney muß die alte Garde wiederbeleben, vermutlich, um jeden Altfan noch mal ins Kino zu locken.
- Und was MACHT DISNEY DANN? Die alten Helden kommen aufs Abstellgleis. Disney stellt jeden einzelnen von ihnen letztendlich als Versager hin. Han ist hier sowieso der einige, der Screentime bekommt - Leia kriegt eine Rolle in der zweiten Reihe, und Luke darf schweigen und drei Sekunden lang mysteriös aussehen. Wozu, WOZU BITTE war das nötig? Wenn Disney seine eigenen Figuren propagieren will, hätte man die alten Charactere gar nicht erst auftreten lassen müssen. Wenn man das tun zu müssen glaubt und dafür das GESAMTE EU opfert, dann hätte man sich wenigstens einen würdigen Abgang erhofft, der die ST zu einem echten Übergang zwischen OT und Disney-T(s) macht und den Handlungskreis abschließt. Es gibt da klassische Muster wie den Schüler-Meister-Zyklus, aber das möge jetzt mal still ruhen.
All diese Entscheidungen wurden getroffen, ehe eine Rückmeldung aus Einspielergebnissen vorlag. Alle diese Entscheidungen sind grundlegend falsch für die Saga, kreieren einen unnötigen Konflikt mit dem Lucas-EU, und verärgern schon die ersten Fans. Und im Hintergrund begeht Disney schon einen weiteren Fehler, der aber erst anhand von TLJ zutage tritt.
Die Analysten jubilieren wahrscheinlich, 2 MILLIARDEN Einspiel. Gut, der Film ist als Einzelstück nicht schlecht gemacht, und die Zuschauer wollen anscheinend Sachen sehen, die sie schon mal ähnlich gesehen haben, mit
besseren mehr CGI-Tricks. Und ein paar Sachen, wie die Idee eines imperialen Überläufers, sind ja auch per se gut. Aber man muß auch sehen, daß es der erste SW-Film seit 10 Jahren im Kino ist, und die Spannung auf die alten Helden und die Neugier auf die Fortsetzung ziehen hier noch mehr als die bereits absehbaren erzählerischen Probleme.
Dann kommt Rogue One daher, und das ist tatsächlich ein guter Film, dem der Spagat zwischen dem Neuen und dem Alten gelingt. Einspiel ist zwar nur die Hälfte von TFA, aber der Altfan (der vielleicht mit TFA nicht so 100% zufrieden war) ist befriedet und hofft darauf, daß es jetzt an neue interessante Ufer geht.
Und dann beweist Disney, daß ihr Universum nur in einer Katastrophe enden kann, denn mit TLJ wird die Konzeptlosigkeit nur unterstrichen.
- Der Film paßt nicht an TFA, reißt Erzählstränge komplett ab, ändert den Ton, deutet um und relativiert. Für sich genommen ist es schon kein besonders guter Film, aber im Zusammenspiel mit dem SW-Universum fällt er total durch.
- Es wird klar, daß Disney für die ST keine durchgehende Erzählung hatte und von Anfang an keine Story für Ep8/9 vorlag. Das wäre nicht so schlimm - auch die OT wurde Stück um Stück aufgebaut -, wenn JJ Abrams nicht absichtlich TFA "Lost"-like mit Mysterien und Visionen und unerklärten Dingen vollgestopft hätte. Der neue Regisseur interessiert sich dummerweise nicht im Geringsten dafür, was Abrams geplant hat, und zieht erbarmungslos und auf Kosten der inneren Logik und der Kontinuität der Saga sein Ding durch.
Das hätte alles vielleicht als separater "Star Wars Story"-Film funktioniert, aber als Mittelstück der ST ist es ein Schlag ins Wasser. Der Film kostet uns Luke Skywalker; die Realität kostet uns Prinzessin Leia. Zwei der drei neuen Charaktere werden als ineffektive Trottel dargestellt (was dann den politischen Fallout generiert, in dem Fans gegen den echten oder vermeintlichen Feminismus protestieren), die dritte ist weiterhin einfach super und hat auch sonst keine nennenswerten Eigenschaften. Dafür darf sie Luke fucking Skywalker zum Idioten machen.
Was TLJ tatsächlich an guten Ansätzen und Ideen mit sich bringt, geht in diesem Sumpf unter. In der Zwischenzeit hält Disney auch Filoni nicht unter Kontrolle, der ebenfalls neue Machtfähigkeiten und Superwesen in Rebels generiert (Lothwölfe, Bendu), die ebenso wie die Mortis-Wesen oder die Priesterinnen der Macht in Clone Wars nie eine Einordnung in die Mythologie erfahren. Noch nicht so schlimm, bis Filoni allen Ernstes
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- Zeitreisen einführt. WTF! Der Fluch von Star Trek, der Fluch jeder Serie mit irgendeiner Form von Kontinuität, ins Star Wars-Universum gehustet, weils gerade cool erschien. Filoni, du ARSCH!
TLJ bringt ein Drittel weniger auf die (Kinoeintritts-)Waage als TFA. Das ist immer noch viel, gemessen an der Kritik, die dem Film entgegenschlägt, aber wie weiland Leia, wird auch der durchschnittliche SW-Fan von Hoffnung befeuert.
Solo ist zu dem Zeitpunkt ja schon fast fertig, mit allen vermeintlichen Katastrophen und Nachdrehs und was auch immer. Aus den Reaktionen auf TLJ kann Disney also nichts mehr lernen. Was aber für Solo schon im Vorfeld hätte klar sein sollen:
- Der Film ist ein Prequel, das Schicksal der Hauptfiguren also unabänderlich. Das nimmt schon mal einen Teil der Spannung aus der Sache.
- Der Film muß bestimmte Stationen durchlaufen, da wir die bereits aus Solos Leben kennen. Auch das reduziert die Freiheiten des Films, und damit die Überraschungen für den Zuschauer.
- Der Film muß Han Solo neu besetzen. Das konnte nur zu Konflikten mit den Fans führen, denn Star Wars ist eben nicht Marvel. In den Superhelden-Universen wird rebootet und recastet, was das Zeug hält. Bei Star Wars ist es jedesmal ein Drama, ob man nun einen kleinen Jungen zu Darth Vader befördert oder ein CGI-Gesicht auf einen Imperialen projiziert.
Es war also von vornherein klar, daß Solo nicht dasselbe Interesse generieren würde wie ein ST-Film oder auch Rogue One, bei dem ein komplett neuer Cast auftritt (und sauber massakriert wird). Es hätte also kein Drama sein sollen, daß Solo weniger einnimmt. Vielleicht wissen das die Analysten, vielleicht auch nicht; die Voraussagen deuten auf das letztere hin.
Dazu kommt aber noch, daß TLJ die Fan-Erwartungen unterminiert hat. Daraus resultiert Boykott, übertriebene polemische Kritik und Politisierung. Ein Nebencharakter, der für Droidenrechte eintritt, wird zum Symbol des bösen, bösen Feminismus (oder vielleicht auch Black Lives Matter, da ist man sich nicht einig); Kathleen Kennedy wird zum Oberbösewicht hochstilisiert, die am Horizont des SW-Universums lauert wie der Todesstern über Scarif. Alles ziemlicher Tinnef, aber es belastet den Film, der im Rahmen seiner Möglichkeiten eigentlich Hervorragendes leistet.
Was daraus Analysten konstruieren werden, ist schwer absehbar. Diese Analysten haben nicht denselben Einblick ins SW-Universum wie die Fans, sondern werden sich mehr an objektiven Daten orientieren. Und diese Daten sagen, TLJ hat viermal mehr eingespielt als Solo. Und Marvel-Filme ja sowieso. Worauf wird sich also Disney in Zukunft konzentrieren? Mehr Marvelization, mehr Humbug-Humor, mehr Oberflächlichkeiten. Funktioniert doch.
Die kommende Tragödie wird sein, daß Disney überhaupt mehr Wert auf die Analysten legen wird als auf den inneren Zusammenhalt und die interne Logik der GFFA. Man hat den Pfad bereits ganz am Anfang angedeutet; Kontinuität wurde geschlachtet (und die Leiche dann mit Beilen zerhackt). Das Erzählerische wird auf das Niveau von Marvel zurückfallen, das Mythische dem kinematischen Moment geopfert, und wenn nichts mehr geht, wird rebootet.