Der SZ-Artikel strotzt voller unsachlicher Vermutungen und einer elendigen Vermischung von Fakten-Analyse mit dem subjektiven Geschmacksempfinden des Autors. Ich bin nun seit über 25 Jahren beruflich im Filmgeschäft tätig und selten habe ich so ein oberflächliches Geschwafel gelesen. Wenn da zum Beispiel behauptet wird
"Zum anderen ist der Erfolgsdruck von Konzernseite so hoch, dass die Künstler nichts Neues ausprobieren, sondern lediglich alte Zutaten neu zusammenrühren dürfen: 'Solo' kommt schlecht an, weil er langweilig ist." kann ich mir nur noch an den Kopf fassen. Gerade
The Force Awakens hat doch offensichtlich darunter 'gelitten', dass man eigentlich nur eine Reihe älterer Story-Versatzstücke neu zusammengestellt hatte - aber der Film war ein gigantischer Erfolg. Demgegenüber wartet
Solo exakt mit dem Gegenteil auf: Der Film hat eine originelle Story, neue Charaktere und viele innovative Ideen. Vielleicht kommt er gerade deswegen schwächer beim Publikum an?
Denn viele Box-Office Erfolge der letzten Jahre, bzw. Jahrzehnte legen nun mal den Verdacht nahe, dass ein Großteil des Publikums sich sehr gerne immer wieder das Gleiche auftischen läßt. Man denke nur an erfolgreiche Filmreihen wie die
Fluch der Karibik Filme, die
Fast & the Furious Reihe oder die Marvel Verfilmungen, wobei es hier natürlich Ausnahmen gibt, die die Regel bestätigen.
Auch die Box-Office Analyse des Artikel ist oberflächlich und fehlerhaft. Natürlich ist es durchaus richtig, dass ein Film wie
Solo seine Kosten am Besten schon durch die weltweite Kinoauswertung wieder einspielt. Man darf aber dabei nicht unerwähnt lassen, dass die Filme von einem Franchise wie
Star Wars langfristig IMMER durch Home Entertainment- und TV-Auswertung einen satten Gewinn erzielen - es sei denn, sie würden total an der Kinokasse abstürzen. Aber danach sieht's ja momentan für
Solo auch nicht aus, selbst wenn der Film hinter den Erwartungen zurück bleibt.
Ich bleibe dabei: Die Gründe, weswegen
Solo hinter den Erwartungen zurückbleibt, sind mannigfaltig. In diesem Thread hat es dazu einige sehr fundierte und sachliche Thesen gegeben. Einer der Hauptgründe besteht m.E. aber darin, dass Disney den Film einfach zu schnell nach
The Last Jedi ins Kino brachte. Ein jährlicher oder vielleicht sogar zweijährlicher Turnus der VÖ-Daten wäre besser gewesen, denn beim Publikum muß sich erst einmal wieder der 'Hunger' nach einem
Star Wars Film bilden. Die Filme müssen etwas Besonderes bleiben.
Möglicherweise hat das Erfolgsschema der inflationären Marvel VÖs, wo jährlich zwei bis drei Filme auf den Markt kommen, bei Disney die Vermutung reifen lassen, dass so etwas auch bei
Star Wars funktioniert. Hat aber nicht geklappt.
It's as simple as that.