Zu "ob ein Objekt falsch ist oder echt: hauptsache es ist schön anzuschauen":
Wenn jemand bewusst einen unechten Artikel zum angemessenen Preis
kauft, sei es ein van Gogh oder eine Star Wars MOC, ist dem jenigen be-
wusst, das es sich um kein Original handelt. Es dient, teils bewusst, größ-
tenteils jedoch unbewusst, dem Wunschtraum, auch wenn er bei erst-
genanntem Beispiel eher unerreicht bleiben wird, irgendwann einmal das
Original zu besitzen.
Wenn jemandem jedoch ein Original angedreht wurde, welche sich später
als Fälschung entpuppt, verliert das Objekt sehr stark an Bedeutung, in
gewisser Weise wiedert es einen sogar an, sodass es früher oder später
aus dem Blickfeld verbannt wird. Und sei es noch so schön anzuschauen.
Mir wurde vor ein paar Jahren eine MOC verkauft, man kann auch sagen
ich habe vor einigen Jahren eine MOC gekauft, die ich nach erhalt nicht
bis ins Detail prüfte. Es war nichts Wertvolles, da ich diese für ein Auto-
gramm nutzen wollte. Jedoch kommt es hierbei nicht auf den Wert des
Objektes an. Ich kam also die Karte, lies sie im Star Case und warf nur
einen kurzen Blick darauf. Hey, es war meine erste MOC und dem Verkäu-
fer konnte man schließlich vertrauen. Warum also sollte ich diese Karte
einer genauen Untersuchung unterziehen?
Es kam der Tag als ich sie in Person unterschreiben ließ, irgendwer hinter
mir sagte zu seiner Freundin "die ist ja sogar Unpunshed (und erklärte ihr
die Bedeutung)" und ich dachte mir "ja genau und es ist MEINE

".
Zuhause angekommen wollte ich nun ein vorher nachher Vergleichsbild pos-
ten und zog beide Dateien ins Bildbearbeitungsprogramm. Und erst da fiel
mir auf, dass auf dem Versandweg aus einer Palitoy eine Kenner MOC wur-
de. Allerdings empfand ich das eher als positiv, da mich der schwarze Bal-
ken unter dem Schriftzug eh störte.
Am Bildschirm fiel mir jedoch noch was anderes auf. Durch die hohe Auf-
lösung der Datei war sie bei 100% Bildgröße um ein vielfaches größer zu
sehen und ich für die Karte ohne einen Hintergedanken ein wenig ab, da
ich mir das nun erkennbare Druckraster anschauen wollte. Und dann kip-
te die positive Stimmung, als ich am Blister angekommen war und den
hervortretenden Kleber sah. Und das war es dann. Die Karte war nicht
mehr die gleiche, die sie zwei Minuten vorher war, auch wenn man spä-
ter einen Kompromiss mit dem Verkäufer eingehen konnte.
Das Gefühl war ähnlich wie das, als mir mein KFZ aufgebrochen wurde,
jemand meine Wohnungstür knackte oder meine damals noch nicht Ex
meinte, sich anderweitig begnügen so müssen. Betrogen, hintergangen;
es gibt viele Worte, die diesen Zustand beschreiben können.
Klar, alles war noch immer das gleiche wie vor der Entdeckung geblieben.
Alles war noch immer schön anzuschauen für den Aussenstehenden. Der
Betroffene empfindet dies jedoch ein wenig anders.